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Von Heike Blum5 Min. Lesezeit

Mit 50 selbstständig: Mein Weg ins Interim Management

Heike Blum, Interim Managerin für Controlling, seit 2023 selbstständig

Kurz zusammengefasst

Ich habe mich mit 50 als Interim Managerin im Controlling selbstständig gemacht. Im September 2026 waren es drei Jahre.

Der Anlass war nicht Mut, sondern zwei berufliche Stationen hintereinander, die ich nicht in der Hand hatte. Was ich gewonnen habe: Freiheit im Kopf, eine ehrlichere Rolle und mehr Erfahrung in kurzer Zeit. Entscheidend war am Ende nicht das Alter, sondern dass meine Kinder auf eigenen Beinen standen.

Fast zehn Jahre Konzern – und dann etwas Neues

Davor war ich fast zehn Jahre bei Fresenius. Vom Controller bis ins Management, ein sicherer Job – ich hätte dort bis zur Rente bleiben können.

Irgendwann war der Drops aber gelutscht. Ich wollte noch einmal etwas Neues.

Das lehrreichste Jahr meines Berufslebens

Die nächste Station wurde ein Engineering-Dienstleister: Head of Accounting & Controlling, 14 Mitarbeitende, Verantwortung für beide Bereiche. Genau die Aufgabe, die mich gereizt hat.

Die Wochen waren lang. Aber ich habe dort erlebt, wie viel man mit erstaunlich kleinen Stellschrauben bewegen kann:

  • Abläufe sortieren
  • Zuständigkeiten klären
  • die Kommunikation zwischen den Bereichen verbessern
  • einfach eine gute Basis schaffen

Und dann zu sehen, wie die Monatsabschlüsse von Mal zu Mal reibungsloser liefen und weniger Fehler entstanden – das hat richtig Spaß gemacht.

Zweimal hintereinander – und dann ein neuer Weg

Dann wechselte der CFO. Der neue CFO brachte seinen eigenen Head of Controlling mit.

Die nächste Station habe ich im Januar angetreten. Der CFO, der mich geholt hatte, war kurz nach meinem Start nicht mehr im Unternehmen. Diese Entscheidung würde ich heute anders treffen.

Zweimal so kurz hintereinander – das tut weh. Vor allem, wenn man weiß, dass man gut ist in dem, was man macht.

Interim Management kannte ich bis dahin kaum. Keiner meiner früheren Arbeitgeber hatte damit gearbeitet. Hätte ich es eher gekannt, hätte ich es vielleicht eher probiert. Den Mut, meine sichere Position dafür zu kündigen, hätte ich damals aber wohl nicht gehabt.

Was mir die Selbstständigkeit gebracht hat

Freiheit im Kopf

Der größte Gewinn ist nicht das Honorar. Es ist die Freiheit im Kopf.

Ich sage, was ich fachlich für richtig halte. Dann entscheidet der Verantwortliche. Entscheidet er anders, kann ich das stehen lassen. Meine Aufgabe ist es, eine klare fachliche Empfehlung zu geben.

Das klingt vielleicht distanziert. Ist es aber nicht. Es macht mich ehrlicher. Als Angestellte habe ich mir manche Wahrheit dreimal überlegt.

Mehr Erfahrung in kürzerer Zeit

Ich lerne in einem Jahr mehr als früher in dreien. Neue Projekte, neue Branchen, neue Menschen – und jedes Mal andere Voraussetzungen, Abläufe und Tools.

Phasen ohne Projekt gehören dazu

Es gibt Zeiten zwischen zwei Mandaten, in denen man sich schon mal unruhig fragt, wann das nächste kommt. Das gehört zur Selbstständigkeit dazu.

Warum nicht die 50 entscheidend war

Der wichtigste Punkt war am Ende gar nicht das Alter.

Meine Kinder waren aus dem Haus und standen auf eigenen Beinen. Wären sie damals noch finanziell von mir abhängig gewesen, hätte ich mich diesen Schritt vermutlich nicht getraut.

Mein Rat an alle, die über den Schritt nachdenken

Wenn Sie in Ihrem Fach bleiben: Probieren Sie es. Das Risiko ist kleiner, als es sich anfühlt.

Wenn es die Bäckerei auf Mallorca ist: Rechnen Sie. Rechnen Sie. Rechnen Sie.

(Ja, da spricht die Controllerin.)

Häufige Fragen

Kann man mit 50 noch Interim Manager werden?

Ja. Im Interim Management zählt vor allem Erfahrung, und die bringt man mit 50 reichlich mit. Wer in seinem bisherigen Fachgebiet bleibt, kann auf Jahrzehnte Praxis aufbauen, statt bei null anzufangen.

Was ist Interim Management?

Ein Interim Manager übernimmt für eine begrenzte Zeit eine Funktion im Unternehmen, etwa bei einer Vakanz, in einem Projekt oder in einer Umbruchsituation. Er ist nicht fest angestellt und übernimmt trotzdem Verantwortung ab dem ersten Tag.

Was sind die Vorteile der Selbstständigkeit gegenüber einer Festanstellung?

Aus meiner Sicht vor allem zwei: Man kann fachlich offener sprechen, weil man nicht auf die eigene Karriere im Unternehmen achten muss. Und man sammelt in kurzer Zeit Erfahrung aus vielen Branchen, Projekten und Systemen.

Wie hoch ist das Risiko, sich als Controllerin selbstständig zu machen?

Wer im eigenen Fachgebiet bleibt, geht ein überschaubares Risiko ein. Im schlimmsten Fall kehrt man in eine Festanstellung zurück – mit deutlich mehr Erfahrung als vorher. Phasen ohne Projekt sollte man allerdings einplanen.

Was ist der Unterschied zwischen Interim Management und externem Controlling?

Beim Interim Management übernimmt man eine Funktion für eine begrenzte Zeit voll, etwa wenn ein Controller fehlt. Beim externen Controlling unterstützt man Unternehmen ohne eigene Controlling-Abteilung in dem Umfang, der gebraucht wird – zum Beispiel an einzelnen Tagen im Monat.

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